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Burnout

Aktualisiert: 18. Jan.

Als Burnout oder Burnout-Syndrom wird ein Zustand von körperlicher und psychischer Erschöpfung bezeichnet. Wie das englische Wort besagt, fühlen sich Menschen mit einem Burnout leer und energielos, im übertragenen Sinne also wie ausgebrannt. Das Burnout steht meist am Ende einer länger andauernden Entwicklung mit Stress im Beruf und im Privatleben, hohem Leistungsdruck und fehlender Erholung oder Entspannung.



Burnout – ein schleichender Prozess

Der Begriff "burn out" kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt "ausbrennen". Es handelt sich um ein Erschöpfungssyndrom, das sich über längere Zeit durch Überforderung, überhöhten Erwartungsdruck und chronischen Stress entwickeln kann.


Burnout ist also ein schleichender Prozess, der häufig während Monaten oder gar mehreren Jahren unbemerkt bleibt. Er kann sehr unterschiedlich verlaufen. Bei manchen Betroffenen nehmen die Symptome und Beschwerden über Jahre hinweg gleichmässig zu, bei anderen wechseln sich Phasen mit ausgeprägten Symptomen und nahezu symptomfreie Intervalle ab. In vielen Fällen sind dauernde Müdigkeit und Erschöpfung zu Beginn die einzigen Warnsignale. Die Betroffenen versuchen, das mit einem höheren Energieeinsatz auszugleichen und beschleunigen damit das "Leerlaufen des Tanks". Symptome wie Zynismus, Gereiztheit, Misstrauen, Schlafstörungen und weitere körperliche Begleitsymptome kommen oft erst nach Monaten hinzu.


Das Endstadium bei jemandem, der diese Entwicklung ignoriert, ist häufig ein Zustand tiefer Verzweiflung: Rückzug, Vorwürfe und Widerwillen gegen sich selbst, die anderen und das Leben, Depression – manchmal sogar mit dem Wunsch, sich das Leben zu nehmen. Auch andere psychische Erkrankungen, Angststörungen, Essstörungen oder Suchterkrankungen können durch ein Burnout ausgelöst oder verstärkt werden.


Ursachen und Risikofaktoren für Burnout

Eine Vielzahl von kritischen Lebensereignissen kann zu hohen Stressbelastungen führen. Der menschliche Körper hat im Laufe der Entwicklung gelernt, diese Stresssituationen gut zu bewältigen. Mit dem Fachbegriff nennt sich diese Fähigkeit "Coping". Wenn viele stressige Lebensereignisse zusammenkommen oder kurz aufeinanderfolgen, nimmt auch die Stressreaktion im Körper zu. Fehlt dann die Möglichkeit, den Stress auf gesunde Weise abzubauen, dann werden die Quellen (Ressourcen) für die Erneuerung der eigenen Kräfte immer weiter ausgeschöpft. Das Risiko für ein Burnout steigt.


Oft sind Aspekte in der Persönlichkeit der Betroffenen entscheidend: Es trifft häufig Menschen, die einerseits hohe Ansprüche an sich selbst und andere stellen, die alles perfekt erledigen wollen, gleichzeitig aber ein schwaches Selbstwertgefühl haben und Konflikten lieber aus dem Weg gehen. Mit Kränkungen, Enttäuschungen oder Frust können sie nicht gut umgehen, ihnen fehlen Bewältigungsstrategien. Zudem haben Betroffene oft das Gefühl, sich stark zu verausgaben, ohne entsprechende Gegenleistungen zu erhalten.


Andererseits sind auch Menschen betroffen, die sich mitunter von Anfang an einer Aufgabe oder einem Beruf nicht gewachsen gefühlt haben. Burnout ist dann eine Reaktion auf Stress am Arbeitsplatz. Burnout-Beschwerden können übrigens in jedem Beruf und auch ohne erkennbaren äusseren Arbeitsstress entstehen.


Auch private Rückschläge können Burnout begünstigen – insbesondere, wenn die Unterstützung durch Partner, Freunde und Familie fehlt.


Sicher ist: Das Burnout-Syndrom entsteht als Folge von chronischem Stress. Und es gibt dafür innere und äussere Risikofaktoren:


Innere Risikofaktoren:

  • Überengagement

  • hoher Anspruch an sich selbst

  • hoher Idealismus

  • Perfektionismus

  • überzogene Erwartungen

  • Zweifel am Sinn des eigenen Handelns

  • Person kann schlecht Nein sagen


Äussere Risikofaktoren:

  • Arbeitsüberlastung

  • fehlende Anerkennung

  • Mobbing

  • Ungerechtigkeit

  • wenig Kontrolle über die eigenen Aufgaben


Symptome des Burnouts

Die Beschwerden, die mit Burnout-Erleben einhergehen, können individuell verschieden sein. Eine klare Definition von Burnout anhand von Symptomen ist nicht möglich. Folgende Symptome werden jedoch oft im Rahmen von Burnout-Konstellationen erlebt:

  • Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung: Die Betroffenen haben den Eindruck, dass sie ihre täglichen Aufgaben nicht mehr bewältigen können, fühlen sich überfordert und müde. Sie haben das Bedürfnis nach immer mehr Ruhepausen. Doch die Erholung hält nicht mehr so lange an wie gewohnt. Vielen fällt es immer schwerer, nach der Arbeit "abzuschalten".

  • Nachlassende Leistungsfähigkeit: Die Arbeit gelingt nicht mehr. Es kommt zu Konzentrationsstörungen und Nervosität. Entscheidungen fallen schwer. Fehler passieren. Die erhofften Erfolgserlebnisse bleiben aus. Oft versuchen die Betroffenen dann, umso intensiver zu arbeiten, um gegenzusteuern – was ihnen noch mehr Kraft raubt. Ängste können entstehen. Die emotionale Belastbarkeit nimmt ab.

  • Rückzug: Viele Burnout-Betroffene igeln sich immer mehr ein. Sie geben Hobbies auf und vernachlässigen Partner und Freundeskreis.

  • Innere Leere, Sinnverlust: Die Freude am Alltag geht immer mehr verloren. Nichts macht mehr Spass, alles ist anstrengend. Unzufriedenheit und Gleichgültigkeit machen sich breit. An die Stelle der ursprünglichen Begeisterungsfähigkeit tritt Zynismus, schliesslich Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.


Auch körperliche Symptome können sich bei Burnout einstellen, für die der Arzt/die Ärztin keine organische Ursache findet – sogenannte psychosomatische Beschwerden, zum Beispiel Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder Rückenschmerzen.


Burnout – keine Krankheit oder psychische Störung

In der Medizin wurde und wird Burnout meistens nicht als Krankheit oder psychische Störung definiert. Stattdessen gilt Burnout als Problem bei der Bewältigung von Stress, das sich auf die Gesundheit auswirkt und dazu führen kann, dass sich die Betroffenen medizinische Hilfe suchen. Jedoch ist Burnout als Konstrukt mittlerweile derart in einen breiteren öffentlichen Fokus gerückt, dass in der offiziellen Klassifikation (ICD-11) eine Art "Nische" für eine Diagnose, die den entsprechenden arbeitsspezifischen Symptombereich abdeckt, geschaffen werden konnte. Die Definition für Burnout in der ICD-11 ist umstritten. So wird beispielsweise kritisiert, dass nach der ICD-11 Burnout nur vorliegt, wenn es einen Bezug zum Berufsleben gibt. Ausbrennen können Menschen aber auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel bei der häuslichen Pflege Angehöriger.


Nicht immer wenn Menschen die ICD-11 Kriterien für Burnout erfüllen, liegen auch die Kriterien einer Depression vor, in vielen Fällen aber schon. Es gibt in den Beschreibungen über Burnout viele Überschneidungen mit den Symptomen einer Depression. Erschöpfung und der Verlust des Interesses an der Arbeit zum Beispiel können sowohl als Anzeichen für Burnout als auch als Symptom einer Depression gedeutet werden.


Wie kann man einem Burnout vorbeugen?

Jede:r kann zur eigenen Burnout-Prävention beitragen. Dabei geht es vor allem darum, Stress abzubauen. Welcher Ansatz sich dafür am besten eignet, ist von Person zu Person unterschiedlich.


Mögliche präventive Ansätze:

  • eigene Bedürfnisse wahrnehmen

  • Grundbedürfnisse stillen

  • Entspannung und Achtsamkeit praktizieren

  • Umgang mit Stress lernen

  • Selbstaufmerksamkeit üben

  • Förderung der Selbstakzeptanz

  • gesunder Lebensstil

  • Professionelle Hilfe aufsuchen und annehmen

  • Mehr Flexibilität und Autonomie bei der Arbeit

  • Unterstützung im Team erhalten

  • Zeitmanagement verbessern

  • Grenzen setzen und Nein sagen

  • Work-Life Balance optimieren

  • unrealistische Erwartungen reduzieren


Psychologische Beratung bei Burnout

Sie leiden unter Ihrer derzeitigen Lebenssituation und schaffen es nicht, etwas zu ändern? Auch nicht durch die Unterstützung von Freunden, die Ihnen vermutlich bereits mehrfach geraten haben, "einen Gang zurück zu schalten"? Dann sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen.


Die Psychologische Behandlung von Burnout besteht aus verschiedenen Komponenten und wird individuell auf die betroffene Person abgestimmt. Je früher man das Problem erkennt und behandelt, desto besser sind die Heilungschancen. Wenn das Burnout frühzeitig erkannt wird, können schon kleinere Behandlungsschritte und Interventionen reichen, um das Burnout erfolgreich zu behandeln.


Grundsätzlich sind im Rahmen einer Burnout-Behandlung verschiedene Schritte wichtig. Der erste erscheint sehr trivial, ist aber von grosser Bedeutung: Zum Beginn jeder Burnout-Behandlung muss erst einmal erreicht werden, dass die betroffene Person sich selbst eingesteht, dass sie unter einem Burnout leidet bzw. sich auf dem Weg dorthin befindet. Die Symptome anzunehmen und sich daraufhin Hilfe zu suchen, ist einer der schwierigsten und wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Heilung. Entscheidend ist dabei, dass die betroffene Person sich eingesteht, dass sie mit ihrem Verhalten einen Teil zu ihrer negativen Situation beiträgt. Denn nur wenn dies passiert, kann das Problem gelöst werden.


Wenn das Problem erkannt und ausgesprochen ist, geht es darum, sich Schritt für Schritt bewusst zu machen, welche Denk- und Verhaltensmuster dazu beitragen, dass der "Tank" so schnell leerläuft, man so schnell erschöpft ist. Mit Hilfe verschiedener Behandlungsformen erlernen Sie einen verträglichen Umgang mit Ihrem Perfektionismus und Idealismus; Sie lernen Nein zu sagen; Sie setzen sich realistische Ziele und erkennen die Wichtigkeit eines optimalen Zeit-Managements. Ausserdem lässt sich gemeinsam besprechen, wie gewünschte Veränderungen der beruflichen Situation möglich sind.


Weitere wichtige Aspekte stellen die Stärkung Ihrer eigenen Ressourcen, das sind Ihre positive Kräfte, Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten sowie das Erlernen von Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson für Ihren Alltag dar. Alles, was als entspannend erlebt wird und einem hilft, wirklich abzuschalten und aufzutanken, hilft auch gegen Burnout. Was das ist, gilt es herauszufinden, denn es ist individuell sehr unterschiedlich – vom Spieleabend über den Konzertbesuch, Klettern, Baden, Saunieren, Musizieren oder dem Singen in einem Chor, Kontakt zu Freunden, Partner und Familie, Zärtlichkeit und Intimität, Sport ohne Leistungsdruck und Yoga bis hin zum Gebet oder anderen Formen der Spiritualität.


Bei ausgeprägtem Burnout-Syndrom kann kurzfristig auch eine medikamentöse Behandlung (pflanzlich oder synthetisch) Sinn machen. Hier arbeite ich mit Hausärzt:innen zusammen.


Erstgespräch vereinbaren

In einem Erstgespräch in meiner Praxis für Psychologische Beratung in Bern lernen wir uns kennen und Sie können mir Ihre Anliegen und Erwartungen mitteilen. Wir besprechen zusammen das weitere Vorgehen und entscheiden gemeinsam, welche Dauer der psychologischen Beratung in Ihrer aktuellen Situation Sinn macht. Manchmal können wenige Sitzungen bereits viel bewirken, manchmal braucht es eine längere Begleitung. Ich freue mich auf die Begegnung mit Ihnen!



 

Quellen:

Burn-out: Symptome, Ursachen, Therapie: auf Apotheken-Umschau

Burnout: Symptome und Diagnose: auf Clienia

Burnout & Erschöpfung: auf Mentalva Privatklinik

Burnout-Syndrom: Plötzlich ging nichts mehr: auf CSS

Weltgesundheitsorganisation WHO: ICD-11

 

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