Neujahrsvorsätze

Aktualisiert: 27. Juni

Neues Jahr, neuer Mensch? Alle Jahre wieder starten wir mit guten Vorsätzen in den Januar. Warum scheitern wir so oft und wie schaffen wir es, dass am Ende nicht doch wieder der innere Schweinehund siegt?


Dieses Jahr wird alles besser - oder auch nicht

Gute Vorsätze fürs neue Jahr können hilfreich sein. Nicht weil sie bessere Menschen aus uns machen, sondern weil sie uns ermöglichen, Bilanz zu ziehen und neue Ziele zu stecken. Vorsätze bieten uns im besten Fall Orientierung im Leben und lassen uns hoffen, träumen oder wirken belebend.


Bei vielen Menschen scheitern die guten Vorsätze aber jedes Jahr bald wieder. Der Grund: Unser Gehirn ist auf Gewohnheitsbildung trainiert. Wer den alltäglichen Trott durchbrechen will, muss sich anstrengen und: Üben, üben, üben...


Der Mensch ein Gewohnheitstier

Der Mensch ist das, was er immer tut. Ein Gewohnheitstier. Gewohnheiten vereinfachen unser Leben. Sie machen häufig Sinn und halten sich beharrlich. Immer wenn wir uns in gewohnten Gefilden bewegen und Automatismen abspulen, kann das Hirn auf bereits vorhandene Nervenverknüpfungen zurückgreifen und belohnt uns dafür mit der Ausschüttung von körpereigenen Opiaten. Neuronale Verknüpfungen werden ausgebaut, je öfter wir etwas tun. Mit jeder Wiederholung steigt also die Wahrscheinlichkeit, dass man das Verhalten beibehält.


Gute Vorsätze in Form von neuen Gewohnheiten müssen also ausreichend geübt und wiederholt werden, damit eine Veränderung stattfinden kann. Es braucht etwa sechs bis neun Monate, bis ein neuer Pfad im Gehirn ausreichend vernetzt ist, um ein Verhalten zur stabilen Gewohnheit zu machen.


Dem limbischen System schmeicheln

Gute Vorsätze sind nicht wirkungsvoll, wenn sie allein auf Ideen des Neocortex (Teil des Gehirns, der für Vernunft, Logik und Planung zuständig ist) beruhen. Sie müssen mit emotionalen, bildhaften Zielen verknüpft werden. Vernünftige «Weg von»-Verbote («Ich darf heute keine Schokolade essen») nützen weniger, da sie sich für das starke limbische System (Teil des Gehirns, der unter anderem für Emotionen zuständig ist und unser Alltagsbefinden prägt) nach Verlust anfühlen. Besser ist es, sich ein positives «Hin zu»-Bild vorzustellen («Ich gönne mir ein Stück Schokolade pro geschaffter Sporteinheit»).


Übrigens: Wer bewusst jeden Tag irgendeine Kleinigkeit im Alltag anders macht als üblich, also nicht ständig im neuronalen «Autopilot-Modus» fährt, ist insgesamt wacher und aufmerksamer. Das hilft, nicht jedem Impuls aus Gewohnheit nachzugeben, sondern dem Neocortex und den positiven Alternativen eine bessere Chance zu geben.


Veränderung kann Unbehagen auslösen

Die Chancen, aus einem langjährigen Trott herauszufinden, sind also aus neuronaler Sicht anspruchsvoll. Aber auch die Psyche stellt uns Fallen auf dem Weg zu einem neuen Leben: Die gewohnten Pfade zu verlassen birgt Unsicherheit, weil man nicht weiss, was danach kommt. Und das löst in fast allen Menschen Unbehagen oder sogar Angst aus.


Es hängt vor allem von frühkindlichen Erfahrungen ab, ob solche psychischen Widerstände überwunden werden können. Je sicherer und geschützter sich ein Kind in der ersten Lebensphase fühlt, umso leichter gelingen ihm im Erwachsenenalter Veränderungsprozesse oder der Sprung ins Unbekannte. Die meisten Menschen müssen sich Veränderungen aber hart erkämpfen und tendieren in der Regel dazu, erst mal abzuwarten, selbst wenn sie mit dem Status Quo unzufrieden sind. Auch das hat seinen Grund in der Psyche: Wer sich unsicher fühlt, tendiert dazu, alles beim Alten zu lassen - selbst wenn daraus Nachteile resultieren.


Psychische Widerstände überwinden

Psychologische Unterstützung kann hilfreich sein, wenn Sie Ihre Vorsätze nicht umsetzen können oder immer auf der gleichen Stelle treten. Insbesondere dann, wenn Sie unter der aktuellen Situation leiden oder sich für Sie Nachteile daraus ergeben.


In der psychologischen Beratung werden neue Impulse gesetzt, die Perspektiven öffnen und Handlungsoptionen aufzeigen. In meiner Praxis für Psychologische Beratung in Bern biete ich, Bettina Hufschmied, Ihnen einen geschützten Raum, in dem Sie alles aussprechen können. Ich unterstütze Sie dabei, Ihre Ressourcen zu entdecken sowie Ihre Handlungs- und Denkweisen zu hinterfragen und zu verstehen. Gemeinsam entwickeln wir Strategien, wie Veränderung nachhaltig und in kleinen Schritten gelingen kann.



 

Quelle:

Christine Harzheim, Warum klappt es nie mit den guten Vorsätzen?, in: Beobachter Gesundheit, 5.12.2019: https://www.beobachter.ch/gesundheit/psychologie/selbstdisziplin-warum-klappt-es-nie-mit-den-guten-vorsatzen

Käther Bänziger und Susanne Loacker, Tricks gegen den Trott, in: Beobachter Gesundheit,

23.12. 2020: https://www.beobachter.ch/gesundheit/psychologie/psychologie-tricks-gegen-den-trott

 

52 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen